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ChatGPT führt Werbung ein – was das für Millionen Nutzer bedeutet

Jan 15. Februar 2026 4 Min. Lesezeit

Seit dem 9. Februar 2026 schaltet OpenAI erstmals Werbeanzeigen in seinem KI-Chatbot ChatGPT. Betroffen sind zunächst erwachsene Nutzer in den USA, die die kostenlose Version oder den günstigen „Go“-Tarif verwenden. Höherwertige Abonnements bleiben werbefrei. Der Schritt markiert einen grundlegenden Wandel in der Finanzierung von KI-Diensten – und entfacht eine breite Debatte über Vertrauen, Datenschutz und die Zukunft kostenloser KI-Angebote.

Wie die Werbung in ChatGPT funktioniert

Die Anzeigen erscheinen als visuell klar abgetrennte Banner am Ende einer ChatGPT-Antwort – also nicht mitten im Text, sondern in einem eigenen, als „Sponsored“ gekennzeichneten Bereich. OpenAI legt Wert darauf, dass sich gesponserte Inhalte optisch deutlich vom eigentlichen Gesprächsinhalt unterscheiden.

Welche Werbung ausgespielt wird, richtet sich nach dem aktuellen Gesprächsthema sowie früheren Interaktionen des Nutzers. Das Prinzip ähnelt dem kontextbezogenen Targeting, wie es aus sozialen Netzwerken bekannt ist. Laut OpenAI erhalten Werbetreibende dabei keinen direkten Zugriff auf Chatverläufe oder persönliche Nutzerdaten. Stattdessen sehen sie ausschließlich aggregierte Statistiken wie Klickzahlen oder Impressionen.

Nutzer haben mehrere Möglichkeiten, die Werbeerfahrung anzupassen. Sie können Personalisierungsoptionen deaktivieren, ihre Werbehistorie einsehen und einzelne Anzeigen wegklicken oder melden. Wer auf Werbung ganz verzichten möchte, kann dies in den Einstellungen festlegen – muss dafür allerdings ein geringeres tägliches Nachrichtenlimit in Kauf nehmen.

Warum OpenAI auf Werbung setzt

Der Hintergrund ist ein handfestes Finanzierungsproblem. Obwohl ChatGPT rund 800 Millionen aktive Nutzer pro Woche verzeichnet, zahlen laut Unternehmensangaben bisher nur etwa fünf bis sieben Prozent davon für ein Abonnement. Microsoft-Quartalsdaten aus dem vergangenen Jahr zeigten, dass OpenAI trotz enormer Umsätze weiterhin Verluste in Milliardenhöhe schreibt.

Der Betrieb leistungsfähiger KI-Modelle verursacht immense Kosten für Rechenleistung, Energie und Infrastruktur. Mit der Einführung von Werbung versucht OpenAI nun, auch die deutlich größere Gruppe der kostenlosen Nutzer zu monetarisieren – nach dem Freemium-Modell, das aus der Digitalbranche bekannt ist: kostenloser Zugang gegen Werbung, gegen Geld werbefrei.

Laut CEO Sam Altman sollen Werbeerlöse langfristig weniger als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen. Primäres Ziel sei es, den kostenlosen Zugang zu ChatGPT für Milliarden Menschen auch künftig finanzierbar zu halten. Erste Werbepartner müssen dafür allerdings erhebliche Budgets einplanen – Berichten zufolge werden Investitionen von mindestens einer Million US-Dollar erwartet.

Welche Nutzer betroffen sind – und welche nicht

Beim aktuellen Test gelten klare Einschränkungen. Werbung sehen ausschließlich eingeloggte, erwachsene Nutzer in den USA, die entweder die kostenlose ChatGPT-Variante oder das günstige „Go“-Abonnement nutzen. Letzteres kostet acht US-Dollar pro Monat und ist das preiswerteste bezahlte Angebot im OpenAI-Portfolio.

Vollständig von Werbung ausgenommen sind die Tarife Plus (20 Dollar/Monat), Pro (200 Dollar/Monat) sowie Business, Enterprise und Education. Minderjährige sehen generell keine Anzeigen. Auch bei sensiblen Themen wie physischer oder psychischer Gesundheit sowie politischen Inhalten bleibt der Chat werbefrei – OpenAI hat diese Bereiche ausdrücklich als Ausschlusszone definiert.

Konkurrenz reagiert – Anthropic nutzt die Gunst der Stunde

Das Timing der Ankündigung war pikant: Nur zwei Tage zuvor hatte der direkte Konkurrent Anthropic beim Super Bowl einen Werbespot geschaltet, der ChatGPT indirekt angriff. Mit dem Slogan „Werbung kommt zur KI. Aber nicht zu Claude“ positionierte Anthropic seinen eigenen KI-Assistenten Claude als werbefreie Alternative – und setzte damit OpenAI unter öffentlichen Druck, bevor das Unternehmen selbst die Neuigkeit verkünden konnte.

OpenAI-Chef Sam Altman wies die Darstellung auf der Plattform X als unehrlich zurück und betonte, dass Anzeigen niemals die inhaltliche Qualität der ChatGPT-Antworten beeinflussen würden. Google, dessen KI-Assistent Gemini bislang ebenfalls werbefrei ist, dementierte bislang ähnliche Pläne – behielt sich aber vor, die Entwicklungen am Markt zu beobachten. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass ein Erfolg des OpenAI-Modells früher oder später Nachahmer finden wird.

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Kritik und offene Fragen zum Datenschutz

Der zentrale Kritikpunkt ist grundsätzlicher Natur: Anders als bei Suchmaschinen oder sozialen Netzwerken sind Gespräche mit einem KI-Chatbot oft persönlicher Natur. Nutzer fragen nach Gesundheitsthemen, Beziehungsproblemen oder finanziellen Entscheidungen. Die Vorstellung, dass genau dieser Kontext für Werbezwecke ausgewertet wird, stößt auf Unbehagen – selbst wenn OpenAI versichert, keine Chatinhalte direkt an Werbekunden weiterzugeben.

Datenschutzexperten weisen darauf hin, dass selbst aggregierte Verhaltensdaten sensible Rückschlüsse ermöglichen können. Zudem bleibt die Frage offen, ob der aktuelle Test der Beginn einer umfassenderen Werbestrategie ist. OpenAI plant nach eigenen Angaben weitere Werbeformate und arbeitet an einer eigenständigen Buchungsplattform, über die Unternehmen Anzeigen künftig selbst schalten können.

Für Nutzer in Europa ist die Situation vorerst klar: Der aktuelle Rollout beschränkt sich auf die USA. Ob und wann ChatGPT-Werbung auch in Deutschland erscheint, hängt auch von regulatorischen Anforderungen ab – die EU-Datenschutzgrundverordnung und der Digital Services Act stellen deutlich strengere Anforderungen an personalisierte Werbung als das US-amerikanische Recht.

Weiterführende Quellen

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Jan

Redakteur · TechnikSmart.de

Tech-Enthusiast und Redakteur bei TechnikSmart.de. Schreibt über Smartphones, KI und digitale Trends.